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Paradiesische Ofenhoelle II

26 Okt

Die Love Story ‚belgischer Spekulatius und kanadischer Backofen‘ musste aufgrund ihrer Laenge ja leider nach einem Kapitel ueber das Leben und Sterben der Trockenhefe unterbrochen werden. ABER die Hefe ist von den Toten wiederauferstanden – hat brav den initialen Test im Wasserglas bestanden – und sich reuig gezeigt:

Beim zweiten Anlauf mit einem anderen Rezept hat sie die perfekte Brotkonsistenz geschaffen.

Natuerlich war die aber das Resultat von einem vollkommen intuitiven, ‚ich habe gerade Lust auf…‘ Ansatz. Ergebnis: luftiges Karottenbrot


Zutaten:

  • 1 Moehre (ca. 1 Tasse, gehobelt)
  • 2 Tassen Mehl
  • 1 TL Trockenhefe
  • ½ Tasse Zucker
  • 1 handvoll Rosinen
  • 1 TL Thymian
  • Eine Prise Salz und Zimt
  • ausreichend Wasser (ca. 1 Tasse)

Zubereitung:

Wer einen gluecklichen Hefeteig produzieren will, braucht zwar ein wenig Geduld, aber dafuer wird er oder sie auch belohnt. Also, Schritt fuer Schritt und mit meditativer Gelassenheit:

1. 10 Minuten: Trockenhefe in einem Glas lauwarmem, gezuckertem Wasser wieder zum Leben erwecken. Wer jetzt schon Ungeduld verspuert, kann die Zwischenzeit dazu nutzen, Moehren zu raspeln und alle trockenen Zutaten zu vermengen.

2. 10 Minuten: Mehl aufhaeufen und zunaechst nur das Glas mit dem Hefegemisch in die Mitte geben. Am wenigsten Sauerei gibt es, wenn Wasser nach und nach beim Mischen von Mehl und Fluessigkeit hinzugegeben wird. Sobald der Teig dann in etwa einen Klumpen ergibt geht das Kneten los und sollte erst dann enden, wenn die Zeit sich in den Armen bemerkbar macht.

3. 10 Minuten: Hartgesottene Kneten tatsaechlich immer noch weiter. Solange der Teig noch nicht geschmeidig und elastisch ist, ist das auch noetig. Extra-Massagen hat der Teig aber immer gerne, besonders wenn Vollkornmehl verwendet wird.

  1. 4. 100 Minuten: Teig und Oberarme duerfen sich jetzt etwas laenger ausruhen. Wer mag, darf es sich natuerlich mitsamt dem abgedeckten Teig im Bett bequem machen. Wichtig ist letzterem aber vor allem, dass er ein warmes Plaetzchen bekommt.

5. 10 Minuten: Uberraschung: Kneten! In den vergangenen 1 ½ Stunden sollte die Hefe ordentlich heisse Luft produziert haben, die jetzt wieder aus dem Teig herausgeschlagen wird.

6. 100 Minuten dauert die letzte Pause, bevor es richtig heiss wird. Der Teig soll wieder schoen aufgehen.

7. Den Teig sanft in Form bringen und sich bei diesem Anblick fuer die eigene Geduld loben:

8. Das Eigenlob kann nach den letzten 45 Minuten, die der Teig im 200°C heissen Ofen verbracht hat noch gesteigert werden:

Das ganze gibt es momentan zum Fruehstueck, leicht angetoastet mit Apfelmuss.

Cheers – Keks

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Paradiesische Ofenhoelle I

22 Okt

Klingt es seltsam makaber oder gerade passend, dass sich ein Keks nach einem Backofen sehnt?

Was meine Wenigkeit als belgischen Spekulatius angeht – ich muss mich nicht mehr sehnen und aergern, dass es ihn nicht gibt, sondern habe enge Freundschaft mit unserem leicht rostgen, etwas veralteten und ziemlich hyperaktiven Backofen geschlossen.

Deshalb gibt es einen ganzen Schwung Reszepte fuer leckeres aus der Ofenhoelle, bunt gemischt:

Als erstes ein ziemlich verunglueckter Versuch, kanadische Backzutaten dazu bringen zu wollen, ein Stueck typisch deutsche Backwerkskunst zu fabrizieren; trotzdem muss ich gestehen, dass der maplesyrup in der Glasur das beinahe wieder rausreissen kann 😉

Glasierter Hefezopf

(definitiv nicht mit Brotmehl nachzumachen)

Zutaten:

    ½ kg Mehl

  • 1 Scheibe Butter ( so 5cm von einem Paeckchen runtergeschnitten)
  • 1 Tasse (aber ein richtiger Mug) Milch
  • 1 Tasse Zucker
  • 2 Hand voll Rosinen
  • 2 TL Trockenhefe – frische macht sich besser!
  • 2 TL Ahornsirup und etwas zusaetzlicher Zucker
  • 1 TL Zimt
  • ½ TL Salz

    Was es nicht gab, aber bestimmt toll waere…

    • Kardamom, Muskatnuss, Nelken in dezenten Mengen und vielleicht auch nur eine Auswahl, auf jeden Fall aber frisch gemahlen
    • Zitronen oder Orangenabrieb
    • Vanille

Zubereitung:

    1. Wer keine frische Hefe auftreiben konnte, testet als erstes ob das seltsame Granulat, dass er als Ersatz erstanden hat, noch Leben enthaelt: 1 TL Zucker in Baby-Bad warmem Wasser aufloesen und die Trockenhefe einruehren. Abdecken und ein Weilchen stehen lassen – die Hefe sollte sich dann mit Blubbern und Schaeumen zu den Lebenden melden.
    2. Falls sich eine lebende Hefekultur gefunden hat, kann auch die Milch mit der Butter und dem Zucker vorsichtig erwaermt werden, sodass sich der Zucker vollstaendig aufloesen kann.
    3. Weil Hefe ein furchtbares Sensibelchen bezueglich Temperaturen ist, abwarten bis das Milchgemisch unter 40°C warm ist. Waehrenddessen kann man schon mal das Mehl mit den Gewuerzen und den Rosinen versehen, es zu einem Huegel auftuermen und eine Kule in der Mitte formen.
    4. Erst unter optimaler Waerme alle Fluessigkeiten vermischen und so viel in die Mitte des Mehlberges geben, wie es seine Hoehe erlaubt.
    5. Laaaangsam und vorsichtig lasse man dann in Sandkastenerinnerungen aufleben und mansche so lange, bis alle Fluessigkeit in den Teig eingearbeitet ist. Bei Bedarf Mehl oder Wasser nachlegen.
    6. In freudiger Erwartung der kleinen Kalorienbombe: Teig kneten, schlagen, kneten, schlagen… ca. 10 Minuten dauert es, bis normales Mehl seinen Kleber ausgebildet hat. Seltsames, kanadisches Brotbackmehl laesst sich anscheinend das Doppelte an Zeit
    7. Der elastische, noch etwas klebrige Teig darf es sich dann zur Wiedergutmachung an einem warmen, trockenen Plaetchen gemuetlich machen: am besten ab ins Bett mit ihm, Tuch und Decke drueber und ein schoenes Stuendchen Mittagsschlaf vergehen lassen.
    8. Weil Faulheit aber eine Suende ist den Teig danach nochmal kraeftig schlagen, bis man nichts mehr davon ahnt, dass er wieder klebirger geworden und aufgegangen ist.
    9. Man koennte hier jetzt auch eine Endlosschleife setzen, aber wenn das Prozedere 2-3 Mal durchgefuehrt wurde, ist der Teig bereit fuer den Ofen: direkt vor dem Backen wird er nur sanft in Form gebracht: Wer kann teilt den Teig in 3-5 Straenge und flechtet sie zu einem Zopf.

  1. Bei 200°C oder 180°C Umluft, in Begleitung von einem Schaelchen Wasser darf es sich der Hefezopf dann fuer ca. 45 Minuten im Ofen bequem machen
  2. Ca. ab Halbzeit kann zusaetzlich alle 10 Minuten eine Glasur aus Wasser, Maplesyrup und evtl. etwas Zucker auf die Oberflaeche getraeufelt oder gestrichen werden. Sie macht eine feine, leichte Kruste und karamellisiert ganz wunderbar, sollte aber nicht unbedingt mit Oberhitze kombiniert werden.

Ich bekomme ja eigentlich Magengrummeln von warmem Hefeteig… aber er schmeckt einfach zu gut, frisch aus dem Ofen! Ausserdem kann man beim Anschneiden gleich sehen wie wunderbar der Teig aufgegangen ist – oder beim ersten Bissen darueber spekulieren, wieso er es nicht getan hat.

Trotzdem: Cheers!

Keks