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Vancouver-Wetter eingetopft

12 Nov

Was kommt dabei heraus, wenn man das Vancouver Herbstwetter, die lokalen frischen Produkte und die Mentalität hier in einen großen Topf wirft?

Tipp: Es ist bunt, es ist fischig, es ist nass und es ist warm. Außerdem ist es international, improvisiert und ein bisschen zu gut, um noch ganz koscher zu riechen.

Antwort: die wohl bekannteste Fischsuppe der Welt –


Zutaten:

  • 500g Fisch im Ganzen oder inklusive aller Karkassen (wir haben Scholle bekommen, aber auch Snapper und andere nicht tranige Fische eignen sich)
  • 4 kleine Oktopusse oder Kalamari
    • Alternativ auch Muscheln, Krabben oder Garnelen
  • 1 dünne Stange Porree, nur der helle Teil
  • 1 Schüssel Suppengemüse (ideal: Fenchel, Möhren und Knollensellerie)
  • 4 Tomaten
  • 1 große Zwiebel
  • 3 Zehen Knoblauch
  • Olivenöl, 1 Lorbeerblatt, 1 Schuss Zitronensaft, Paprika, Salz
    • Die fancy Variante: 1 Msp. Safran

     

Zubereitung: Hier stellt sich das Kuschelfeeling schon mindestens eine Stunde vor dem Essen ein, denn die Vorbereitung bietet Spiel und Spass fuer jeden Geschmack. Auf der einen Seite muss der Oktopus von Augen, Hirn und Knorpel befreit und der Fisch geputzt werden, auf der anderen Seite gibt es ein ganzes Konglomerat von Gemuese in feine Streifen zu schneiden.

Der Fischposten hat als erstes ein Paeuschen, denn wenn der Fisch grob unterteilt ist in Schwanz, Kopf und Rest darf er eine erste Runde zurueck ins Nasse, um einmal aufzukochen und einen ersten Schwall Eiwweiss ausflocken zu lassen. Das muss zwar nicht sein, macht die Bouillabaisse aber klarer. Ausserdem ist das Filet danach schon so gut wie gar und laesst sich wunderbar von den Karkassen loesen.

Eben dieser vermeintliche Abfall macht die Essenz der franzoesischen Fischsuppe aus: wer in der traurigen Lage ist, keinen ganzen Fisch bekommen zu koennen sollte sich das billigste vom Fisch schnappen, das zu bekommen ist. All diese Reste koennen naemlich guten Gewissens bis aufs Mark ausgekocht werden – das Lorbeerblatt darf dabei gleich mitschwimmen.

Das kochende Wasser kann und darf ausserdem auch gleich genutzt werden, um die Tomaten so weit anzugaren, dass man sie nach einer kalten Dusche bequem haeuten kann. Ansonsten braucht es an dieser Stelle nur zwei Dinge: ein Stuendchen Zeit und Geduld.

Dafuer darf man nach langem Warten stolz behaupten, den eigenen Fischfond produziert zu haben – sobald die Karkassen entfernt sind. Einfach nur „Bruehe“ waere natuerlih langweilig: es gehoert selbstverstaendlich noch Einlage in die Suppe.

Der Gemueseposten sollte mittlerweile so weit sein, dass eine Pfanne mit einer bunten Mischung befuellt werden kann. Mittlere Hitze reicht ausnahmsweise aus, um Moehren, Sellerie, Fenchel, Lauch, Knoblauch und Zwiebeln mit ein wenig Zucker und in ein bisschen Butter anzuschwenken. Zusammen mit den gewuerfelten Tomaten gehen sie den Weg so vieler Zutaten – ab in die Untiefen des Eintopfs.

Jetzt muss der knurrende Magen nur noch fuer ein Viertel Stuendchen verstroestet werden, in dem das Gemuese Geschmack abgeben kann. Danach oder waehrenddessen darf abgeschmeckt und der Kalamar angebraten werden.

Zusammen mit dem Fenchelgruen wird das Fischfilet kurz vor dem Servieren wieder in der fertigen Suppe aufgewaermt.

Das Resultat ist wudnerbar mit dem ’sanften‘ Rotwein British‘ Columbias kompatibel und troestet besonders gut ueber eklig-nasskalte Herbsttage an der Pazifikkueste hinweg. So viel gutes aus dem Meer laesst zumindest mich die entsprechenden Mengen an Wasser von oben verzeihen.

Cheers!

Keks